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Das Schweigen der Kollegen und Chefs

In BR-Info, Info, Pressemitteilung on Montag, 10. August 2009 at 00:00

Soziologische und psychologische Gedanken zur Offenheit im Umgang mit dem, was am Ende des Monats heraus kommt

“Über Geld spricht man nicht – diese Einstellung ist schon typisch für Österreich, aber auch für die Schweiz und Deutschland”, meint der Max Haller, Soziologe an der Uni Graz. In Schweden könne man das Gehalt von jedem Beamten und jedem Minister im Internet nachsehen und sogar die Steuererklärung.

Und in Amerika werde das Jahresgehalt meist schon bei der Stellenausschreibung angegeben. Bei Meinungsumfragen in Österreich könne man aber sehen, dass die Gesellschaft langsam offener werde, was das Thema betrifft.

Auch Arbeitspsychologin Karin Theresia Balluch sieht den Umgang mit dem Gehaltsthema differenziert. Gerade jetzt in der Krise werde viel über Managergehälter gesprochen in Zusammenhang mit Gerechtigkeit und Ethik. “Ich erlebe zum Teil Offenheit, zum anderen wird das Thema kaum angesprochen”, so Balluch. Vielmehr gehe es den Menschen jetzt aber darum ihren Arbeitsplatz überhaupt behalten zu können, so ihre Erfahrung.

Eine Frage der Leistung
“Gehalt ist ein Indikator für sozialen Status, daher kann es sowohl für Viel-Verdiener als auch für Wenig-Verdiener ein Problem sein darüber zu reden”, meint Haller. Erstere rufen Neider auf den Plan, Letztere fürchten um das soziale Ansehen. Doch auch in der mittleren Einkommensschicht ortet Haller Gründe für das große Schweigen: “Beamte verdienen oft nicht so viel, sehen sich aber als wichtige Gesellschaftsmitglieder.”

Einen anderen Grund für die Geheimniskrämerei unter Arbeitskollegen sieht der Soziologe im Zusammenhang mit der tatsächlichen Leistung im Job. “Man könnte ja auch gefragt werden, ob es wirklich die erbrachte Leistung ist, warum man so viel verdient.”

Vergleich macht unzufrieden
Wie aber beurteilen wir die Zufriedenheit mit unserem Gehalt? – “Vor allem indem wir uns mit anderen vergleichen”, meint Balluch. “Tritt man in eine Firma ein, vergleicht man sein Gehalt eher mit jenem ehemaliger Schul- beziehungsweise Studienkollegen, die in anderen Firmen arbeiten. Später vergleicht man sich mit Kollegen – sofern, die Leistung vergleichbar ist. In höheren Positionen wird es schon schwieriger mit dem Vergleichen.”

Balluch stößt in der Praxis häufig auf die Problematik, dass Frauen immer noch weniger verdienen.
“Ich erlebe oft, dass Frauen ihre Leistung weit unter ihrem tatsächlichen Wert verkaufen, diese viel zu wenig für ihre erbrachten Leistungen “trommeln” – im Vergleich mit Männern. Deshalb werden sie oft übersehen und gelangen in der Karriereleiter weniger nach oben. Wenn es ganz arg einhergeht, werden sie sogar noch hierarchisch gesehen eine Ebene nach unten versetzt.”

Offenlegung von Gehältern in Unternehmen
Nicht zuletzt aus dem Grund der Einkommensdiskriminierung von Frauen spricht sich Soziologe Haller für die Offenlegung von Gehältern in Unternehmen aus: “Wenn man die Leistungsideologie vertritt, muss man auch bereit sein zu sagen, was man kriegt. Wie will man sonst beurteilen, ob jemand gerecht oder ungerecht bezahlt wird?”

“Die Offenlegung von Gehältern in Unternehmen würde höchstmögliche Transparenz bedeuten”, meint auch Balluch. Gleichzeitig müsse es aber eine noch klarere Offenlegung der zu erbringenden Leistung und des Verantwortungsbereichs bedeuten. “Da gebe es sicher viele klärende Diskussionen darüber welche Leistung und Verantwortungsbereiche wie viel Geld wert ist.” Darüber hinaus würde es zu weiteren Grundsatzdiskussionen über die zusätzlichen “Zuckerln” die Unternehmen ihren (meist leitenden) Mitarbeitern anbieten wie Firmenautos.

Balluch ortet aber noch eine andere Auswirkung eines offeneren Umgangs mit dem Gehaltsthema:
“Gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten wie diesen würde es möglicherweise zu einer kulturellen Revolution in den Unternehmen kommen können – andere Werte, wie z. B. Zusammengehörigkeit und Hilfsbereitschaft würden wieder an Bedeutung gewinnen. Es würde endlich wieder etwas mehr “menscheln”.

derStandard.at
mat
22.4.2009

  1. [...] Im Blog des Metro Cash & Carry Betriebsrats ist dies mal unter anderem eine umfangreiche und informative Übersicht zum Arbeitsmarktpaket 2009 aufgelistet; und ein interessanter Artikel zur endenwollenden Offenheit von Unternehmen, wenn es um das Gehalt geht: “Nicht zuletzt aus dem Grund der Einkommensdiskriminierung von Frauen spricht sich Soziologe Haller f…“ [...]

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