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Österreichische Führungsetagen bleiben eine Männerbastion

In AK Info, BR-Info, Info on Montag, 05. März 2012 at 21:00

Frauen weiterhin in Chefetagen unterrepräsentiert

„Es kann nicht sein, dass das österreichische Top-Management im Jahr 2012 immer noch einer männlichen Monokultur entspricht“, kritisiert AK Präsident Herbert Tumpel. Der AK Frauen.Management.Report 2012 zeigt, dass der Frauenanteil in den Geschäftsführungen und Aufsichtsräten kaum gestiegen ist:

Im Vorstand der österreichischen Top-200 Unternehmen sind aktuell wieder nur 5,1 Prozent Frauen vertreten. In den Aufsichtsräten hat sich der Anteil trotz zahlreicher Initiativen der Wirtschaft nur geringfügig von 10,3 Prozent im Vorjahr auf 11,2 Prozent verbessert.

Frauen weiterhin in Chefetagen unterrepräsentiert
„Trotz öffentlicher Diskussion und vielen Versprechungen seitens der Unternehmen hat sich an der Männerdominanz in den heimischen Führungsetagen nichts geändert“, kritisiert Tumpel: „Der Frauenanteil in Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bleibt Anfang des Jahres 2012 inakzeptabel niedrig.“
Freiwillige Regelungen wie der für börsennotierte Unternehmen vorgeschriebene Corporate Governance Kodex sind offensichtlich wirkungslos. Die AK fordert mehr: Jetzt muss die verpflichtende Frauenquote von 40% bei der Besetzung von Aufsichtsratsmandaten gesetzlich verankert werden.

Der Frauen.Management.Report der Arbeiterkammer Wien hat im Februar 2012 den Anteil von Frauen in den Geschäftsführungen und Aufsichtsräten der Top 200 Unternehmen Österreichs (AG und GmbH) sowie der Führungsgremien in den börsennotierten Unternehmen (ATX, Prime Market, Mid Market, Standard Market Auction und Standard Market Continuous) untersucht.

Top 200 Unternehmen: Männer führen zu 94,9 Prozent
In den Geschäftsführungen der Top 200 Unternehmen liegt der Frauenanteil wieder bei lediglich 5,1 Prozent. Im Aufsichtsrat stagniert der Anteil der Mandatsträgerinnen bei 11,2 Prozent.
Nur jeder neunte Aufsichtsratsposten ist mit einer Frau besetzt. In fast der Hälfte der Unternehmen (43,7 Prozent) ist weder im Aufsichtsrat noch im Vorstand eine Frau vertreten.
Obwohl nur in rund drei Viertel der Unternehmen Betriebsratskörperschaften eingerichtet sind, zählen beachtliche 79 von 184 der Aufsichtsrätinnen zur ArbeitnehmerInnenvertretung.

Börse-Unternehmen: Geringerer Frauenanteil
Bei den besonders im Fokus der Öffentlichkeit stehenden börsennotierten Unternehmen liegt der Frauenanteil sogar unter dem Durchschnitt der Top-200: Nur vier Frauen (1,7 Prozent) im Vorstand und 9,4 Prozent Mandatsträgerinnen im Aufsichtsrat. Auch hier gilt: In jedem zweiten Unternehmen ist weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat eine Frau vertreten.

Gesetzliche Frauenquote statt Selbstregulierung
Mit dieser geringen Frauenquote findet sich Österreich im internationalen Vergleich unter den Schlusslichtern. Länder, die gesetzliche Geschlechterquoten beschlossen haben, haben dagegen den höchsten Frauenanteil. Das zeigt: Die Selbstregulierung hat versagt und nur eine gesetzliche Regelung kann den gewünschten Erfolg bringen.
Die Einführung einer Frauenquote von 40% ist längst überfällig. Kürzlich haben sich nach Norwegen auch EU-Länder wie Italien, Belgien und die Niederlande zu einer gesetzlichen Geschlechterquote bekannt. Österreich muss rasch handeln, um nicht Europas Schlusslicht zu werden.

Die AK-Forderungen:

  • Die AK fordert die Einführung einer gesetzlichen Geschlechterquote von 40% bei der Besetzung von Aufsichtsratsmandaten. Sanktionen bei Nichteinhaltung sollten spürbare Strafen und eine Eintragung im Firmenbuch sein.
  • Die legistische Umsetzung der Quote im Aktien- und GmbH Gesetz sollte rasch erfolgen, Übergangsfristen zur Umsetzung in den Unternehmen könnten zirka drei Jahre betragen. Die Umsetzung sollte schrittweise erfolgen: zuerst in Kapitalgesellschaften in mehrheitlich öffentlicher Hand und börsennotierten Gesellschaften, dann in allen großen Kapitalgesellschaften.
  • Als Sofortmaßnahme für börsennotierte Unternehmen fordert die AK wirksame und konkrete Regelungen im Corporate Governance Kodex, die auf eine ausgewogene Vertretung beider Geschlechter im Aufsichtsrat abzielen. Diese Regelungen müssen klare Zieldefinitionen enthalten.

AK Frauen
01.03.2012

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