STOP Rating Agencies!
Unterstützen Sie unsere Kampagne und wenden Sie sich direkt an die großen Ratingagenturen und europäischen EntscheidungsträgerInnen.
Ratingagenturen haben zu viel Einfluß. Mit intransparenten und gesteuerten Beurteilungen der Kreditwürdigkeit von Staaten und Unternehmen haben sie die Krise verstärkt.
Die Plattorm „Europeans for Financial Reform“ setzt sich für eine gesetzliche Regulierung und die Reduktion der Macht der Ratingagenturen ein und hat dazu sechs Forderungen erarbeitet. Diese Initiative der Plattform „Europeans for Financial Reform“ bietet alle wichtigen Informationen über Ratingagenturen sowie interessante Zahlen & Fakten über das Wirken, Handeln und die Machtposition der Agenturen.
- FAKT #1
Ratingagenturen machen mehr als nur Ratings.
Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) gehört dem großen amerikanischen Medienkonzern McGraw-Hill, mit Sitz in New York. Die Kreditratings bei S&P sind nur ein Teil der Finanzinformationsdienstleistungen, die von S&P angeboten werden. McGraw-Hill Financial umfasst „S&P Indizes”, „S&P EquityResearch”, „S&P Valuation and Risk Strategies” und „Capital IQ”. S&P veröffentlicht neben vielen anderen Aktienindizes, den bedeutenden Index „S&P 500“. Die Aktiengesellschaften, die in diesem Index vertreten sind, sind wiederum KundInnen von S&P Ratings. - FAKT #2
Warren Buffet ist der wichtigste Eigentümer der Agentur Moody’s.
Moody‘s ist die Dachgesellschaft von Moody’s Investors Service, der Ratingagentur, und Moody’s Analytics, spezialisiert auf Risikomanagement-Software. Größter Aktionär ist Warren Buffet mit der Holding „Berkshire Hathaway“, die 12,47 Prozent der Aktien hält. Zweitgrößter Aktionär ist „Capital World Investors“ mit ebenfalls knapp über 12,38 Prozent. Weitere GroßaktionärInnen sind andere am Finanzmarkt tätige GroßinvestorInnen und Fonds. Die größten zehn AktionärInnen halten mehr als die Hälfte der Anteile. - FAKT #3
Es gibt schon eine europäische – gewinnorientierte – Ratingagentur.
Fitch Ratings hat seinen Firmensitz in New York und gehört zum französischen Konzern Fimalac SA. Die Ratings tragen zu mehr als zwei Drittel zu dessen Umsatz bei. Fimalac wiederum gehört dem Milliardär Marc Ladreit de Lachièrre, einem der reichsten Menschen Frankreichs. - FAKT #4
Ein Spitzen-Geschäftsmodell: Nur 3.200 AnalystInnen machen 4,5 Milliarden Dollar Umsatz.
Die drei größten Ratingagenturen haben im Jahr 2010 rund 1,8 Milliarden US-Dollar Gewinn eingefahren und mehr als 4,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht. 40 Prozent des Umsatzes landen also direkt im Gewinn – ein Wert von dem viele Unternehmen nur träumen können. Während ihre Umsatzrendite sehr hoch ist, beschäftigen sie nur ziemlich wenige AnalystInnen, nämlich in etwa 3.200. - FAKT #5
Wer zahlt, schafft an – und wird geratet.
Ratingagenturen werden von jenen Unternehmen bezahlt, die unabhängig beurteilt werden wollen. Dies bringt die Agenturen naturgemäß in ein Dilemma. Sie sind dafür verantwortlich, für ihre EigentümerInnen Gewinne zu erwirtschaften, gleichzeitig kommt ihr Gewinn von genau den Unternehmen, deren Wertpapier sie beurteilen. In der Finanzkrise hat sich dies auch niedergeschlagen: GroßkundInnen von Ratingagenturen wurden vor der Finanzkrise besser beurteilt als unwichtigere, kleinere AnbieterInnen. - FAKT #6
Große Belastung der AnalystInnen in Boomphasen.
Für die Aussagekraft eines Ratings ist es wichtig, dass dieses auch eine entsprechende Qualität aufweist. Die drei großen Ratingagenturen beschäftigen jeweils etwas mehr als 1.000 AnalystInnen, raten aber jeweils pro Jahr zwischen 400.000 und 1,4 Millionen Wertpapiere. Während sich das Volumen des Bewertungsgeschäftes bei Moody’s zwischen 2003 und 2006 versiebenfachte stieg die Beschäftigtenzahl nur um ungefähr ein Viertel. Es darf vermutet werden, dass sich der enorme Workload der AnalystInnen negativ auf die Qualität der Ratings auswirkt. - FAKT #7
Auch wer nicht zahlt, wird geratet.
Die Preise, die für ein Rating verlangt werden, sind weitgehend undurchsichtig und hängen von der Komplexität des Wertpapiers ab. Es gibt Ratings für 50.000 Euro und solche für eine Million Euro. Übrigens zahlen nicht alle Staaten für die Ratings ihrer Anleihen – einige (z.B. Deutschland oder die Niederlande) werden auch „ungefragt“ geratet, weil die Agenturen der Meinung sind, dass die Bewertung ihrer Papiere für den Markt notwendig ist. - FAKT #8
Ein Zwei-Billionen-Dollar-Rechenfehler ändert nichts am Rating.
Nachdem US-Präsident Obamas Vorschlag für eine Schuldenbremse vom amerikanischen Repräsentatenhaus angenommen wurde, stufte Standard & Poors die größte Volkswirtschaft der Welt herab. Die US-Behörden fanden in den Berechnungen der Ratingagentur einen Rechenfehler von zwei Billionen Dollar in einem Zeitraum von zehn Jahren. Zum Vergleich: Die jährlichen Ausgaben des US-Budgets belaufen sich auf ungefähr drei Billionen Dollar. S&P räumte den Fehler ein, änderte aber die Abstufung nicht. - FAKT #9
Ratingagenturen sehen keine Gefahr für Pleitefirmen.
Ende November 2011 musste die viertgrößte Fluglinie der Welt „American Airlines“ Insolvenz anmelden. Zehn Tage zuvor hatte Standard & Poor’s noch eine Herabstufung des Unternehmens bekannt gegeben – allerdings mit dem Hinweis, dass „keine unmittelbare Gefahr für eine Insolvenz“ bestehe. Auch die US-Pleitebank Lehman Brothers wurde von den Ratingagenturen noch vier Tage vor ihrem Zusammenbruch mit Bestnoten ausgestattet. - FAKT #10
Ratingagenturen haben jahrelang Schrott-Investments abgesegnet.
Analysen bestätigen, dass kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 noch 60 Prozent der schrottreifen, mit Immobilien besicherten Kreditpapiere von den Ratingagenturen mit Bestnoten versehen wurden. - FAKT #11
Es gibt auch alternative Ratingagenturen.
Nicht überall auf der Welt haben die drei großen Ratingagenturen so viel Macht. Lokale und regionale Agenturen spielen zum Beispiel im asiatischen Raum eine große Rolle – weltweit gibt es mehr als 130 Ratingagenturen. In Europa jedoch teilen sich „die großen Drei“ den Markt. - FAKT #12
Ihre Pension hängt von Ratings ab.
Bei Pensionsfonds und Versicherungen spielen Ratings eine wichtige Rolle. Diese Unternehmen haben oft interne Schwellen, bei denen ein Produkt noch gehalten werden kann oder verkauft werden muss. Durch diese Schwellen ist es für Staaten, die herabgestuft werden noch schwieriger bzw. teurer, neue Geldmittel zu bekommen, da große InvestorInnen ausfallen. - FAKT #13
Die EZB ist von Ratingagenturen abhängig.
Institutionelle InvestorInnen, FinanzinvestorInnen und Fonds, ja sogar Zentralbanken, hängen direkt an den Entscheidungen von Ratingagenturen. Ratings werden von der EZB herangezogen, um die notenbankfähigen und marktfähigen Sicherheiten zubeurteilen, die die EZB für die Bereitstellung von Liquidität verwendet. Verliert ein Papier sein Rating, verliert es auch seinen Status „verwendbar“. - FAKT #14
Das Europäische Parlament braucht Ihre Unterstützung.
Das Europäische Parlament hat sich mehrheitlich für eine unabhängige europäische Ratingagentur ausgesprochen und von der Kommission gefordert, eine solche einzurichten. Die Kommission ist zwar im aktuellen Gesetzesentwurf darauf eingegangen, hat aber keine Gründung einer solchen in Aussicht gestellt. - FAKT #15
Die Macht der Ratingagenturen hat sich politisch formiert.
Noch wenige Tage bevor EU-Kommissar Michel Barnier den Entwurf der Verordnung präsentierte, wurden einige harte Schläge gegen die Ratingagenturen erwartet. So sprachen die Medien von einem vorrübergehenden Verbot für Länderratings und einem Konkurrenzaufkaufverbot für große Agenturen. Letztlich entschloss sich die Kommission dazu, diese Maßnahmen doch nicht vorzuschlagen.
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